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Handschuhe beim Aufbrechen – Tut das wirklich Not?!

    Jedem von uns wurde während der Jagdausbildung erklärt, dass wir sie immer tragen sollten, doch in der Realität sieht es oft anders aus. Manchmal fehlt die Zeit und es soll einfach schnell gehen, ein anderes Mal hat man die falsche Größe erwischt und dann lässt man die Einmalhandschuhe lieber gleich ganz weg. Außerdem tragen die anderen Jäger auch nicht immer welche, sagt man sich dann selber zur Beruhigung. Die meisten Wildtiere sind doch sowieso gesund. Was soll schon passieren… ?
    Und passieren kann dabei tatsächlich leider eine ganze Menge.

    Das ist zum Glück nicht sehr häufig der Fall und wenn doch wird es auch nur selten innerhalb der Jägerschaft weiter verbreitet. Daher kann irrtümlicherweise der Glaube entstehen, dass Aufbrechen ohne Handschuhe relativ sicher ist. Doch wenn es einen trifft und man sich an erkranktem Wild infiziert, kann es bereits zu spät sein. Viele Erkrankungen lassen sich behandeln, jedoch gibt es leider auch welche, bei denen nicht alle Behandlungsversuche zum Erfolg führen. Besonders verheerend sind solche Infektionen insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder auch Schwangere. Genauso können aber auch gesunde Menschen in der Blütezeit Ihres Lebens betroffen sein.

    Problematisch ist dabei auch, dass Wildtiere Krankheitserreger beherbergen könnten, ohne äußerliche Anzeichen einer Krankheit zu zeigen. Auch ohne sichtbare Veränderungen könnte man sich dabei an ihnen infizieren, wenn man sich mit verschmutzten Händen unbedacht im Gesicht berührt oder kleinste Hautverletzungen an den Fingern hat, durch die die Erreger leicht in den menschlichen Körper eindringen können.

    Nachfolgend möchte ich euch beispielhaft eine geringe Auswahl an Krankheitserregern vorstellen, vor denen man sich mit Handschuhen schützen sollte.

    Fuchs, Marderhund, Hund und Katze – sie alle können den Fuchsbandwurm beherbergen

    Und eine Erkrankung daran kann für den Menschen fatale Folgen haben. Unbehandelt kann eine Fuchsbandwurmerkrankung tödlich ausgehen. Die Larven siedeln sich vor allem in der Leber an und führen dort über viele Jahre zu einer Zerstörung von großen Teilen des Organs, indem sie sich infiltrativ im Lebegewebe ausbreiten. Theoretische Infektionswege gibt es viele, einer davon wäre die mögliche Aufnahme von Bandwurmeiern über die kontaminierten Hände nach dem Abbalgen von befallenen Füchsen.
    Die Erkrankungsraten beim Menschen sind ziemlich gering, doch auch eine Statistik mit sehr geringen Fallzahlen betrachtet man mit anderen Augen, wenn man selber zu den Betroffenen zählt.

    Auch Wildschweine in Deutschland sind betroffen – Heptatitis E

    Die infizierten Wildschweine zeigen selber keine Symptome. Auch viele Krankheitsverläufe beim Menschen laufen ohne oder nur mit milden Krankheitsanzeichen ab. Wenn jedoch Symptome auftreten, was vor allem bei immungeschwächten Menschen der Fall ist, kann es zu einer Leberentzündung kommen, zusammen mit Fieber und allgemeinen Krankheitssymptomen. Selten kann es auch zu einer Gelbsucht kommen, wenn die Leberfunktion gestört ist. Handschuhe beim Aufbrechen können vor einer Infektion schützen. Man kann sich jedoch auch durch den Verzehr von nicht ausreichend durcherhitztem Wildbret von infizierten Tieren anstecken.

    „Brucellose – dicke Hose“ – Klingt im Jagdscheinunterricht witzig, ist es in der Realität nicht

    Brucellose kommt bei verschiedenen Tierarten vor, jagdlich relevant ist der ursächliche Erreger vorwiegend bei Wildschweinen und Feldhasen. Diese bakterielle Erkrankung betrifft bei den Wildtieren vor allem die Geschlechtsorgane. Beim weiblichen Tier kann eine Erkrankung zur eitrigen Gebärmutterentzündung führen, beim männlichen Tier zur ein- oder beidseitigen Anschwellung und eitrigen Entzündung der Hoden. Daher kommt der Merkspruch „Brucellose, dicke Hose“ für den Jagdscheinunterricht.
    Wir Jäger können uns an Sekreten sowie Exkreten von erkrankten Tieren über kleinste Hautverletzungen und über unsere Schleimhäute infizieren. Auch bei diesem Erreger kann eine Erkrankung des Menschen ohne Krankheitssymptome verlaufen, es kann aber auch zu Fieber und Übelkeit kommen oder zu längerfristigen Krankheitsverläufen, sofern die Erkrankung nicht richtig erkannt und behandelt wurde.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Handschuhe kein allumfassender Schutz sind. Gerade hinsichtlich des Fuchsbandwurmes wäre es sinnvoll beim Abbalgen zusätzlich einen Mundschutz zu tragen. Dennoch bieten Einmalhandschuhe beim Aufbrechen und Zerwirken eine Schutzbarriere für viele Krankheitserreger und sollten als Selbstschutz bei diesen Tätigkeiten getragen werden.

    Wie stehst du zu diesem Thema? Trägst du Handschuhe beim Aufbrechen?
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