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Warum ist die Fleischbeschau durch uns Jäger so wichtig?

    Unser Preis für den saftigen Rehbraten – die Verantwortung

    Einer der Hauptgründe für die Jagd ist die Gewinnung eines gesunden und natürlichen Lebensmittels. Das Wildbret. Wer das Tier in der Natur selbst erlegt, weiß auch, was er isst. In einer Zeit der Konservierungsstoffe und des Fertigessens, bekommt der nach frischem Rosmarin duftende Rehbraten am Sonntagstisch eine ganz besondere Bedeutung.
    Mit diesem hohen Privileg, geht aber auch eine große Verantwortung einher. Nur der Jäger selbst beobachtet den ungeraden Sechser, während er noch auf der Wiese umherzieht. Und nur er sieht es, wenn die gesamte Wildschweinrotte am Vollmondabend grunzend und schmatzend den Boden bricht und das Vollmond beschienene Wildacker entlang zieht.

    Die Aufregung steigt. Er hat einen passenden Überläufer ins Auge gefasst. Das Adrenalin wandert den Körper hinauf. Und ausgerechnet jetzt muss er innerlich stoppen. Jede Bewegung von dem schwachen Überläufer wird mit einem scharfen Blick in der nahenden Dunkelheit haargenau geprüft. Belastet er beim Voranschreiten in dem hohen Wildackerbewuchs alle vier Gliedmaßen gleichmäßig? Niemand anderes außer der Jäger selber übernimmt in diesem Moment die Verantwortung für das Lebensmittel, was in den kommenden Wochen den abendlichen Familientisch bereichern wird.

    Klein aber oho – genaues Hinschauen ist angesagt

    Der Überläufer liegt im Knall. Der Schuss traf direkt ins Herz.
    Jetzt steigen die Anforderungen an das eigene Wissen, um der Verantwortung gerecht zu werden, noch einmal deutlich an.

    Das Aufbrechen beginnt. Beim Ringeln ist konzentrierte Aufmerksamkeit gefragt. Ob es erfolgreich war, zeigt sich jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt.
    Der Jäger entfernt die Harnblase mit fingerspitzengefühl, damit ja kein Spritzer Urin das kostbare Wildbret verunreinigt. Langsam, aber kraftvoll trennt er eine Rippe nach der anderen mit der Zerwirkzange durch, um den Brustkorb zu eröffnen. Der angesammelte Schweiß fließt durch die frisch geschaffene Öffnung in schnellem Schwall ab.

    Das Ringeln war erfolgreich und der Jäger kann den schweren Magen-Darm-Trakt in einem herausnehmen. Er hat gründlich gearbeitet und es tritt an keiner Stelle stinkender, übelriechender Panseninhalt hervor. Er breitet das Konvolut vor sich auf dem Tisch aus, zieht die verschmutzten Handschuhe aus und aktiviert seine Stirnlampe. Saubere, neue Handschuhe und ein sauberes Messer stehen bereit. Ein Organ nach dem anderen werden von ihm angeschnitten.
    Erscheinen die Blutgefäße des Darmtraktes nur täuschenderweise tief blutrot und verbreitert? Oder zeigen sie doch eine folgenreiche Infektion an?
    Hat es eine Bedeutung, dass der linke Lymphknoten am Beckeingang dunkler und größer als der von der rechten Seite ist?
    Warum ist die Milz größer und weißlicher als sonst, wenn das Stück doch ansonsten komplett unauffällig ist?

    Des Rätsels Lösung – die amtliche Fleischbeschau

    Der erfahrene Jäger weiß auf viele dieser Fragen eine Antwort. Besonders durch Parasiten bedingte Krankheiten, wie zum Beispiel Leberegel, sind ihm alt bekannt.
    Es treten jedoch in den verschiedensten Revieren von Zeit zu Zeit auch Ausnahmefälle auf.
    Das kann der Rehbock mit der Umfangsvermehrung am Lauf sein. Das kann die Sau sein mit dem Abszess in der Keule. Oder der Hase mit der deutlich vergrößerten Milz.

    Der Jäger weiß, dass all diese Veränderungen zu den bedenklichen Merkmalen zählen. Das Wild darf deshalb erst für den menschlichen Verzehr freigegeben werden, wenn es durch einen amtlichen Tierarzt untersucht wurde.
    Dieser untersucht alle Innereien und auch den Wildtierkörper von dem betroffenen Stück. Daher ist es so wichtig, jedes einzelne Organ aufzubewahren und zuordnen zu können. Wenn dem Tierarzt auch nur eins der inneren Organe nicht vorgelegt werden kann, muss er das Tier als untauglich erklären. Denn für ein sicheres Ergebnis ist es Voraussetzung, jedes einzelne Organ beschaut zu haben.

    Mit etwas Glück ist die Veränderung, zum Beispiel geringer Setarienbefall in der Bauchhöhle, jedoch weniger schlimm als gedacht. Damit kann das Stück dann doch für den menschlichen Verzehr freigegeben werden.
    Ab und zu kann es jedoch auch bei Wildtieren zum Auftreten von Krankheitsanzeichen kommen, die das Tier für den menschlichen Genuss untauglich werden lassen.
    Die Untersuchung durch den Tierarzt hat dann zwar etwas Geld gekostet, man ist sich dafür aber sicher es nicht umsonst verworfen zu haben. Das Beste daran ist jedoch, dass man als Jäger dadurch auch im diesem Bereich der Jagd weiter dazulernen kann. Beim betroffenen Tier können die Feststellungen des Tierarztes dem Jäger einige Fragezeichen im Kopf beantworten. Ganz besonders wichtig ist es aber auch, dass man erfährt, ob die vorliegende Krankheit auf Menschen oder andere Wildtiere im Revier übertagen werden kann.

    Wenn man sich also einmal nicht sicher ist, sollte man auf jeden Fall die Option der Fleischbeschau nutzen, bevor man das Stück direkt verwirft.

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